Ubuntu 11.10 Oneiric Ocelot – Installationsbericht

Getreu ihrem Zeitplan hat die Firma Canonical heute das neue Release ihres freien Betriebssystems Ubuntu Linux 11.10 Oneiric Ocelot veröffentlicht.

Ich habe gleich am Erscheinungstag meinen Desktop-PC upgedated.. Hier ein paar Erfahrungen und Kommentare.

Upgrade von Ubuntu 11.04 Natty Narwhal

Vorbemerkung: Bei dem PC handelt es sich um einen Intel Core-i7, den ich im Januar 2010 anhand eines c’t Bauvorschlags selber zusammen geschraubt habe. Darauf hatte ich Ubuntu 9.10 installiert und seitdem alle Upgrades durchgeführt (10.04 LTS, 10.10, 11.04). Das ging immer einigermaßen glatt, allerdings häuften sich wohl auf dem System die Altlasten, zu erkennen an immer mehr Fehlermeldungen beim Booten.

Nachdem das Upgrade auf 11.10 im Update-Manager durchgelaufen war, stand der Reboot an – und danach ging gar nichts mehr. Der Bootvorgang lief noch bis zum Mount der Partitionen durch, danach war Totenstille. Auch mehrere Versuche mit geänderten Kerneloptionen brachten keinen Erfolg. Da ich keine Lust hatte, lange nach der Ursache zu suchen, brannte ich am Notebook zwei Boot-CDs: Ubuntu 11.10 amd64 Desktop zum Testen, ob es prinzipiell auf dem Rechner lauffähig ist, und Ubuntu 11.10 amd64 Alternate CD zur Installation in ein neues Logical Volume, da die Desktop CD kein LVM unterstützt.

Der Test mit der Live-CD war erfolgreich, schon nach wenigen Minuten lief das Live-System. Natürlich lief das Dual-Head Monitor Setup nicht auf Anhieb, und der Desktop war Unity statt Gnome, aber das ist ja bei einer Live-CD nicht anders zu erwarten. Netterweise kann man schon seit einiger Zeit auch im Live-System zusätzliche Pakete nachinstallieren, wenn man Internet-Zugang hat. Was ich aber bisher nicht wusste: Durch Installation von lvm2 kann man auf die Alternate CD verzichten und direkt aus der Desktop CD in LVM installieren.

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install lvm2

Bei der Installation wurde erkannt, dass sich Ubuntu 11.10 bereits auf der Platte befindet, und eine Reparaturinstallation angeboten. Diese war erfolgreich, denn danach bootete Ubuntu 11.10 ohne Probleme. Allerdings waren sämtliche Einstellungen unterhalb von /etc weg, insbesondere meine Netzwerkkonfiguration in der /etc/network/interfaces und die lokalen Filesysteme in der /etc/fstab. Auch die /etc/X11/xorg.conf war nach der Reparatur unbrauchbar; sie musste umbenannt und anschließend mit Hilfe des AMD/ATI Catalyst Control Center neu erstellt werden. Etwas ärgerlich war auch, dass nach dem Upgrade alle MySQL Datenbanken gelöscht waren, allerdings lag darin nichts wichtiges.

Gnome 3.2

In vielen Pressemeldungen steht, dass sich zwischen 11.04 und 11.10, abgesehen von Versionsnummern, gar nicht so viel geändert hätte. Das mag stimmen, wenn man Unity als Desktop benutzt, was ja bereits seit 11.04 der Standard ist. An Kubuntu, Xubuntu und Lubuntu hat sich möglicherweise auch nicht so viel geändert. Für Gnome-Benutzer bringt 11.10 aber das Update auf Gnome 3.2 (vorher 2.3) mit, und da ist schon einiges anders.

Im Sommer 2010 gab es eine Pressemeldung, wonach Gnome 3 keine Applets mehr unterstützen soll. Es seinen zu wenige davon programmiert worden, was als Zeichen gewertet wird, dass die Entwickler Applets überwiegend ablehnen. Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es nicht nur keine Applets mehr gäbe, sondern auch generell das Panel nicht mehr erweiterbar ist.

Beides ist aber falsch. Eine Reihe von Applets findet sich bei Ubuntu 11.10 im Paket gnome-applets, dass passend zu Gnome die Versionsnummer 3.2 trägt. Das Angebot an Applets ist allerdings geringer als bei Gnome 2.3, vor allem vermisse ich das sensors-applet, mit dem man im Panel den Status der Temparatursensoren anzeigen lassen konnte. Das Panel kann auch weiterhin um eigene Anwendungsstarter erweitert werden. Das geht allerdings nicht mehr mit der rechten Maustaste, sondern man muss zusätzlich die ALT-Taste gedrückt halten.

Neue Bugs

In Ubuntu 11.10 läuft Rhythmbox nicht mehr richtig. Es hält die Wiedergabe lokaler MP3 Dateien jeweils nach kurzer Zeit an, und der Prozess muss dann hart beendet werden. Ich habe nicht lange gefackelt und auf Banshee umgestellt, das ohnehin seit 11.04 Standard ist.

Ärgerlicher ist, dass der Kernel 3.0.0 von Ubuntu 11.10 den DVB-T Stick von Twinhan wegen eines Fehlers nicht unterstützt. Das Problem ist bei Ubuntu bereits bekannt und wird im nächsten Point Release behoben. Solange gibt es DVB Recording nur am Notebook, das bis auf Weiteres unter Ubuntu 11.04 laufen wird.

Nachtrag (22.11.2011) - Heute kam das erste Kernel-Update von Ubuntu 11.10. Anders als das Security Advisory suggeriert, wurden darin laut Changelog zahlreiche Bugs behoben. Der DVB-T Bug ist jedoch nicht darunter.

Zwei Fehler betreffen das CD-Ripping-Programm Asunder. Der eine ist ein Schönheitsfehler: Asunder wirft am Ende des Rip-Vorgangs die CD nicht aus, auch wenn das in der Konfiguration so eingestellt ist. Der andere ist ärgerlicher: seit dem Update auf 11.10 startet der Rip-Vorgang mit der üblichen vollen Geschwindigkeit des CD-Laufwerks, bricht aber nach kurzer Zeit ein und rippt dann nur noch mit stark reduzierter Geschwindigkeit (schätzungsweise 2-fach).

Ein bekannter Bug ist, dass der von Ubuntu gelieferte ATI Radeon Treiber nicht mit der Gnome Shell zusammenarbeitet. Einige Benutzer berichten, dass sich das Problem durch Download des aktuellen Treibers von ATI lösen lässt. Jedoch scheint das nicht in allen Fällen erfolgreich zu sein.

Verbesserungen

Ein anderer ärgerlicher Fehler aus Ubuntu 11.04 wurde dagegen mit 11.10 behoben. Bei meinem Monitor-Setup (Dual Head 1920x1200 25.5” und 1280x1024 19”) hatten Screenshots nicht richtig funktioniert; es gab am oberen Rand immer einen schwarzen Balken, dessen Höhe mit 176 Pixel genau der Höhendifferenz der beiden Monitore (1200-1024) entsprach. Mit 11.10 haben die Screenshots keinen schwarzen Balken mehr.

Ein weiterer behobener Fehler: bis 11.04 konnte man mit dem Mauszeiger in den “toten” Bereich, der durch die Höhendifferenz der beiden Monitore entsteht, navigieren. Der Mauszeiger war dann einfach nicht mehr sichtbar. Mit Ubuntu 11.10 geht das nicht mehr, die Navigation endet am linken Rand des großen Bildschirms, wo daneben kein kleiner mehr ist.